Freitag, 17. Mai 2013

"Mode reift mit der Zeit" - Interview mit Bobby Kolade

©William Minke für Bobby Kolade


Bobby Kolade ist im Sudan geboren, in Uganda aufgewachsen und im Alter von 18 Jahren nach Berlin gekommen. Trotz sowohl nigerianischer als auch deutscher Wurzeln würde man den talentierten Jungdesigner und Absolventen der renommierten Kunsthochschule Weißensee wohl kaum als „typisch deutsch“ bezeichnen. Mit genau diesem Klischee, vor allem aber der in internationalen Kreisen weit verbreiteten Überzeugung, die Deutschen müssten ständig alles unter Kontrolle haben, hat sich Bobby Kolade in seiner Debütkollektion „Things fall apart“ auseinander gesetzt. Die Presse ist begeistert, Herr Kolade zeigt sich lieber bescheiden. Ein Gespräch mit dem  derzeit wohl interessantesten und sympathischsten Import der Berliner Modewelt.

Dienstag, 14. Mai 2013

Die magische Stadt: Istanbul


Bei Bilice Karafirini darf man sein Efes-Bier nicht auf den Tisch stellen. Der schwerfällige, verschmitzt lächelnde Inhaber der Imbissbude, der den Besucher seiner Restauration mit High Five begrüßt, hält keine Alkohol-Lizenz. Fein, dann verstecken wir unsere Bierbüchsen eben unter den niedrigen Sitzhockern und genießen dafür die Aussicht vom ersten Stock der Lokanta hinunter in die engen Gassen des Stadtteils Tünel, mitten in Istanbul gelegen. Vom asiatischen Ufer schallt der Ruf des Muezzin über den Bosporus hinweg, während im europäischen Teil der Metropole die Lichter der Bars und Clubs in Galata und Beyoglu um die Wette leuchten.

Montag, 6. Mai 2013

Von modischen Gucklöchern

Clutch: Weekday, Brille: & Other Stories

Dass wir in einer Welt des hemmungslosen Mitteilungswahns leben, ist spätestens seit Erfindung der Foto-Applikation Instagram keine große Neuigkeit mehr. Quasi im Sekundentakt informieren Freunde und Fremde über Müslischaleninhalte, Hotelzimmeraussichten, Kleiderschrankneuzugänge. Die Idee der lustigen Wanduhr, die in J.K. Rowling's Roman Harry Potter bei den Weasleys im Wohnzimmer steht und jederzeit anzeigt, wo sich welches Familienmitglied gerade aufhält, ist in der Realität angekommen. Rund um die Uhr wissen wir genau Bescheid über die Gepflogenheiten unseres weit gespannten sozialen Umfelds, was wer genau gerade wo mit wem und wie und warum treibt. X. ist zum Spargelessen in Clärchens Ballhaus in Berlin, Y. sonnt sich in Dubai am Pool des Luxushotels The Palace, Z., wohnhaft irgendwo am Hermannplatz, schaut vorm Schlafengehen noch eine Folge Girls, W. spaziert gerade mit S. um die Alster, und, ach ja, @V. ist ebenfalls dabei!

Mittwoch, 1. Mai 2013

Vom neuen Dekolleté


Links: Narciso Rodriguez A/W 2013/14. Rechts: Rodarte A/W 2013/14. Bilder: ©GoRunway/style.com


Beim Stichwort "Spaghettiträger" denken viele Leute mit Schaudern an den vulgären Look der 90er Jahre zurück. Sie erinnern sich an bauchfreie Plastiktops, Kleider, die mehr entblößten als verdeckten, und Einschnittspuren und Hautabdrücke der dünnen Stoffstreifen, die in der Sommerhitze über fleischigen Schultern spannten. Und dann sagen sie: einmal und nie wieder - solch eine schaurige Modeerscheinung machen wir nicht mehr mit.

Nun aber, Trommelwirbel, ist der Spaghettiträger doch wieder da. Es ist nicht zu leugnen, selbst in den Kollektionen für die kommende Wintersaison gab es die feinen Träger zu sehen, bei Dries van Noten, Lanvin, Narciso Rodriguez, Louis Vuitton oder Rodarte. Dabei erscheint dieser Trend paradox, und zwar erstens deshalb, weil die Damenmode in den letzten Jahren so häufig Elemente aus der Menswear übernommen hat, dass in manchen Fällen gar nicht mehr zu unterscheiden war, ob es sich dabei um einen Look für Frauen oder Männer handelte. Die Damenmode ist kantig und maskulin geworden, Hosen fallen weit und lässig, Mäntel hüllen uns ein wie Kokons, und alle Welt verzehrt es nach den Handtaschen von Céline, die ebenso schnörkellos gehalten sind wie eine Aktentasche. In diesen Zeiten also sollen wir uns wieder mit verführerisch viel Haut entblößenden Spaghettiträgern anfreunden?

Donnerstag, 25. April 2013

Klassisch wild

Alle Bilder: Fabian Hart
1879 erfand ein deutscher Einwanderer namens Levi Strauss in San Francisco das heute vermutlich älteste Paar Jeans der Welt. Einige Jahre später erhielt die Urhose des Textilunternehmens den Titel 501®, warum, weiß bis heute keiner, einige Leute munkeln, die erste Levi's-Hose sei mit 501 Nieten bestückt gewesen. Den wahren Grund aber kennt nicht einmal Lynn Downey, die leidenschaftliche Historikerin des global agierenden Imperiums, das seit nun 140 Jahren den modischen Inbegriff des amerikanischen Traums von Freiheit und Wild-West-Romantik verkörpert.