Wenn es in der deutschen Modewelt eine Marke gibt, bei der es sich wirklich einmal lohnen würde, in ein paar lebenszeitbegleitende Stücke zu investieren, dann ist es wohl
Rena Lange, das Münchner Traditionshaus, das heute morgen seine Kollektion für die nächste Herbst-Winter-Saison bei der
Berliner Fashion Week präsentierte. Meistens sind es primär die knallbunten oder avantgardistisch geschnittenen Kleider, die einem bei den Shows großer Labels im Gedächtnis bleiben. Mit großer Exzentrik und verrücktem Innovationsreichtum hat Rena Lange, wie die meisten Berliner Labels, wenig am Hut. Doch große Mode-Ikonen wie
Anna dello Russo,
Miroslava Duma oder
Taylor Tomasi-Hill, die ihre kompletten Garderoben fast so schnell zu wechseln scheinen wie andere Leute Socken und Unterhosen, beweisen als regelmäßig abgelichtete Lieblingsmotive der Streetstyle-Fotografen, dass gerade eine besonders extravagante Mode, so schön und hochwertig sie auch sein mag, offensichtlich eine eher kurze Halbwertszeit hat. Schnell beginnen wir uns satt zu sehen an plissierten Röcken mit aufgedruckten Renn-Autos, üppig bestickten Mänteln mit glitzernden, untertassengroßen Knöpfen oder Hosenanzügen mit psychedelischen, multifarbenen Krawattenprints. All das mag zwar gut und gerne zu weltweiten Trends werden, im Eiltempo von Fast-Fashion-Unternehmen wie Topshop und Zara für das Massenmodepublikum kopiert und nachgeschneidert, gerät allerdings nach maximal einer Saison ständiger Omnipräsenz in Fußgänzerzonen und S-Bahnhöfen doch schneller als gedacht wieder in Vergessenheit.
Bei Rena Lange werden keine großen, schnelllebigen Trends geboren, und auf die Idee, die für die Marke so signifikanten Bubikragen oder Tweed-Jacken für das gemeine Volk zu kopieren, kämen große Massenmode-Firmen sicherlich erst recht nicht. Trotzdem - oder gerade deswegen - zählt die Show von Rena Lange für mich allsaisonal zu den sehenswertesten Veranstaltungen der Berliner Modewoche. Die Kreationen zeichnen sich durch eine subtile, weniger plakative Raffinesse und Originalität aus als dies bei französischen oder italienischen Luxus-Labels gelegentlich der Fall ist, aber gerade mit diesem Stil, der trotz seiner Tragbarkeit nie langweilig oder gar spießig wird, hat der
Creative Director Carsten Fielitz, der nun seine letzte Kollektion für Rena Lange präsentierte und das Modehaus Ende des Monats verlassen wird, die für Rena Lange so bezeichnende, erfrischende Eleganz erfunden.
Geschickt werden verschiedene Modeklassiker wie die Schluppenbluse, der Hosenanzug oder das Etuikleid zu einem großen Ganzen vereint. Für die Kollektion des kommenden Winters ließ sich Meister Fielitz von der Kunst Piet Mondrians inspirieren: Knallorange, Violett, Grau und Anthrazit treffen in geometrischen Mustern aufeinander, farblich akzentuierte Schulterpartien, Trompetenärmel und kubistisch angeordnete Patchworkelemente lockern die strenge Silhouette von Shiftkleidern und Bleistiftröcken auf, metallische Goldfäden durchziehen Strick und Tweed. Der ebenfalls zeitlos-klassische Hosenanzug kommt mit kunstvoll doppelt gelegtem Reverskragen und flirrendem, schwarz-weißem
Glencheck-Print daher, dazu kombiniert wird eine ebenfalls geometrisch gemusterte Schluppenbluse. Und auf dem vielleicht schönsten Stück der Kollektion, einem herrlichen, beigefarbenen
Doubleface-Mantel, wurden die grafischen Linien, ganz frei nach Piet Mondrian, einfach mit betont unregelmäßigem schwarzem Pinselstrich aufgetragen.
Es ist die herrliche Vereinigung solch gewitzter Details mit glamourösen Silhouetten und meisterhafter Verarbeitung, die Rena Langes Finesse und Chic transportieren und ausdrücken. Dabei sind die Entwürfe nie zu erwachsen, zu alt oder zu streng, sondern versprühen viel mehr einen jugendlichen, coolen und selbstbewussten Charme.
"Eine cleane Interpretation von Opulenz", so beschreibt Carsten Fielitz selbst den Stil seiner finalen Kollektion - und beweist damit, dass es eben nicht immer die schreiende Exzentrik sein muss, die für einen bleibenden Eindruck sorgt.
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