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| Bild: Tommy Ton für style.com |
Über die Sommergarderobe des Mannes ist in den letzten Jahren viel diskutiert worden. Selbst die
New York Times sinnierte im letzten Jahr in einem umfangreichen Essay darüber, was Mann im Sommer dem Kodex nach tragen dürfe und was nicht. In einer Zeit, in der Frauen ihrerseits alles kaufen und anziehen können, was sie wollen, erscheint es der Herrenwelt gegenüber ein wenig unfair, modische Kleiderregeln aufzustellen. Aber was soll man machen? Nackte Männerbeine, die unter großzügig mit applizierten Hosentaschen versehenen 3/4-Bermuda-Shorts hervorschauen, geben eben bisweilen eine mehr als bedenkliche Optik ab, und Flip-Flops an den Füßen meines Traumprinzen könnten für mich eventuell Grund genug sein, ihn für immer in die Wüste zu schicken.
Kurzum: liebe Männer, ihr könnt einem leidtun. Dass wir Frauen mit kurzen Hosen und Badeschlappen auch nicht viel besser aussehen als ihr, scheint ja offenbar niemanden zu interessieren, was daran liegen mag, dass die Welt der Damenmode eben auch noch ein paar stilvollere Alternativen bei gleichbleibender sommerlicher Luftigkeit zu bieten hat, während es da im Segment der Männerbekleidung offenbar eng wird. Die gegensätzliche Option zu khakifarbenen Cargo-Hosen durften wir soeben auf dem Laufsteg der
Central Saint Martins-Studenten in London begutachten: dort gab es Badeanzüge, Netzstrumpfhosen und transparente Kaftane für den Mann zu sehen. Für den modisch anspruchsvollen Bürger in Führungsposition und mit straff geregeltem Alltagsleben vielleicht ein wenig zu viel des Skandals. Ein guter Freund von mir hält es lieber wie ein waschechter
gentleman: selbst bei tropischsten Temperaturen wird man ihn noch in langen Hosenbeinen und feinen englischen Ringelsocken antreffen. Modische Finesse erreicht er damit durchaus, wohl aber kaum die angestrebte sommerlich-leichte Luftigkeit.
Sind das die einzigen Auswahlmöglichkeiten, die dem modebewussten Mann im Sommer bleiben: Skandal in Netzstrumpfhosen oder stilvolles Schwitzen im feinen Zwirn? Was zieht ein Mann an, wenn er bei 30 Grad im Schatten mit seiner Herzensdame, die natürlich auf eine ganze Bandbreite passender Outfits, wie etwa ein leichtes weißes Kleid mit Ledersandalen oder einen schwingenden Print-Rock zum fließenden Seidentop zurückgreifen kann, durch die Stadt schlendern möchte?
Ist selbst in unserer aufgeklärten Zeit der Geschlechtergleichheit noch immer nicht die perfekte, sprich ästhetisch-seriöse und zugleich hitzetaugliche Sommergarderobe für den Herren erfunden worden? Das kann doch wohl nicht so schwer sein!
Ist es auch nicht. Längst forschen einige namhafte Herrenmodehäuser höchst ambitioniert nach dem perfekten Sommerlook für den Mann, der offensichtlich eines der letzten ungelösten Rätsel der Modewelt an sich darstellt. Das Problem entsteht erst, wenn es darum geht, dieses ominöse Kleidungsideal auch auf der Straße umzusetzen. Gerade der deutsche Mann verhält sich in dieser Angelegenheit gerne mehr als zaghaft und verlässt sich möglicherweise sogar ganz bequem auf das, was ihm die Ehegattin morgens rauslegt (ihrerseits wahrscheinlich selbst Flip-Flop-Trägerin).
In der SZ-Kolumne
"Overdressed? Aber gern" über den Kleidungsstil des Mailänder Mannes (22. Februar, Nr.) las ich neulich hingegen schmachtend von der modischen Fitness der Italiener. Der Autor des Textes lobt die
"Achtsamkeit, mit der er (der Mailänder) vor die Tür und durchs Leben geht. Sie ist eine Form des Lokalpatriotismus, die an Liebe grenzt." Allerdings sind die wirklich stilsicheren Italiener bei der Entscheidung dessen, was als eine achtsame Erscheinung bezeichnet werden darf, nicht minder rigoros als mein guter, oben genannter Freund:
"Mag die sengende Sonne die Stadt auch in einen Steinofen verwandeln - den Mailänder wird das nicht daran hindern, mit schwitzender Duldsamkeit seinen Dreiteiler auszuführen (...) Was man kaum sieht: modische Totalverweigerung."
Schön für die Mailänderinnen! Ob allerdings der deutsche Mann in Modefragen jemals eine derartige Disziplin an den Tag legen wird, wage ich zu bezweifeln. Für unsere Landsmänner also brauchen wir eine Garderobe, die ganz nach deutscher Manier bequem und sommerlich praktisch ist, sich zugleich jedoch entschieden vom multifunktionellen Cargohosen-und-Wandersandalen-Look entfernt. Eine atmungsaktive, maskuline Ästhetik ist hier gefordert, garniert mit originellen Accessoires, zum Beispiel dem klassischen Borsalino-Hut oder einer originellen Sonnenbrille.
Emerald Green und Tintenblau sind Farben, die Herren im Sommer gut stehen und mit ausgefallenem Schuhwerk, wie zum Beispiel den neon-orangefarbenen Loafern von
Carven, ganz hervorragend aussehen.
Und persönlich habe ich übrigens gar nichts gegen kurze Hosen an Männerbeinen - so lange das Beinkleid ordentlich sitzt, auf großräumige Außentaschen verzichtet und nach Mailänder oder Pariser Vorbild mit feineren Zwirnen, zum Beispiel einem netten Hemd oder Tennis-Polo im Stil der 60er Jahre kombiniert wird. Natürlich sollte der Träger ein einigermaßen ansehnliches Beinpaar vorzuzeigen haben - und er sollte doch bitte auf das Sakko zu den Bermuda-Shorts verzichten, eine in den letzten Jahren populär gewordene Erscheinung, die aber für mich allein aus logischer Sicht vollkommen inakzeptabel ist. Denn wenn es schon so warm ist, dass Mann aus Erfrischungsgründen zur kurzen Hose greifen muss, wozu braucht er dann wohl das Jackett?
Für gut situierte Herren bietet sich bei der Zusammenstellung der Sommergarderobe aber natürlich auch noch eine ganz andere, höchst exklusive Option: beim Luxuslabel
Zegna haben sie einen Business-
Anzug mit angeblichem Kühlungseffekt für schwitzende Geschäftsleute entwickelt. Wo in mehreren Metern dunklem Wollstoff die versprochene Kühlung versteckt sein soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Aber ich bin ja auch eine Frau - zum Glück.
In der Bildergalerie sehen wir eine umfangreiche Auswahl sommerlicher Looks für den Mann, der auch bei Temperaturen über 25 Grad ein Mann bleiben will - bei gleichzeitiger, ästhetischer Atmungsaktivität, versteht sich.
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| Acne Men Sommer 2013 |
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| Acne Men Sommer 2013 |
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| Acne Men Sommer 2013 |
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| Acne Men Sommer 2013 |
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| Acne Men Sommer 2013 |
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| Acne Men Sommer 2013 |
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| Laufsteglook von Qasimi Spring/Summer 2013 |
Wie passend zum heutigen Sonnenschein! Meine vollste Zustimmung für den Text! Unter den Bildern finde ich besonders die Schuhe mit dem neongelben "Mittelstück" klasse. In dieser Richtung werde ich wohl meine sommerliche Garderobe noch ergänzen.
AntwortenLöschenFrüher vertrat ich auch einmal in eigener Sache die Auffassung, dass Shorts an den Badesee oder in den eigenen Garten gehören, jedoch nicht in die Stadt. Dies zu praktizieren fand ich nicht weiter schwierig, es gibt tatsächlich sehr luftige lange Beinkleider. Heute bin ich milder zu mir selbst und nehme mir die Freiheit. Denn wer ein Outfit allein aufgrund kurzer Hosenbeine als nachlässig bewertet, kann nicht viel Ahnung von Mode haben. Vor allem liebe ich Shorts aus Sweat-Material. Die erste davon erwarb ich einst übrigens in Mailand. Wenn der Italiener sich so etwas vorsetzen lässt, kann es so falsch nicht sein.
Im Business finde ich das Diktat langer Hosen mittlerweile sogar regelrecht diskriminierend. Mich ärgert zum einen die Realitätsverweigerung. Auch hierzulande herrscht im Sommer zuweilen mediterranes Wetter, aber kleiden soll man sich dennoch, als wären es maximal 20 Grad. Viel schlimmer ist jedoch die deprimierende Wirkung des vielen Stoffes! Man wähnt sich permanent in der falschen Jahreszeit. Wenn ich so zur Arbeit komme, vergeht mir die Mittagspause in der Sonne und erst recht der Umweg über den See nach getanem Werk. Das kann ja nun wirklich nicht im Sinne einer möglichst produktiven Tätigkeit sein!
Wenn es wirklich heiss wird, weiche ich bislang auf kurze Hemden oder Polohemden aus. Ausserhalb des Büros kann ich dann auch die helle Hose dazu leicht hochgekrempeln. So bin ich bisher meistens gut durchgekommen. Wenn gar nichts mehr hilft und ich frei habe, rette ich mich mit Übertreibung in Form eines kreischbunten Hawaii-Hemdes, einem Panama-Hut und einer Bermuda (ohne Cargo-Taschen, wohlgemerkt).
AntwortenLöschenDie erwähnten Kaftane wären mal eine coole Alternative, und vielleicht erobert der Mann auch die Tunika zurück. Momentan ist der WAF (Woman's Acceptance Factor), und um den geht es ja meistens, derzeit wohl leider noch gleich null. Ganz nebenbei würde ich mich auch im Moment nicht trauen, das durchzuziehen. Bleibt uns also nur, wie Philipp im Sommer unsere Garderobe vorsichtig aufzulockern.
ach scheiße; wenn es heiß ist, können Kerle von mir aus nackt rumlaufen.
AntwortenLöschenMänner sollten einfach Röcke tragen dürfen. Meiner Meinung nach ist das das einzige Kleidungsstück, welches bisher nur Frauen tragen dürfen, wenn es denn nicht Dudelsackspielende Schotten sind. Ist doch doof - sie müssen ja nicht gleich einen kurzen rose Tüllrock tragen, unter dessen spitzenbesetztem Rand dann kräftige, behaarte Männerbeine herumtrampeln.
AntwortenLöschenAber so einen unifarbenen, mindestens knielangen Rock auf luftiger Baumwolle - wieso nicht?